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  Krieg mit Uranmunition
Unsere neuste 50-seitige Dokumentation in 6 Kapiteln für Sie online!
  1. Die Urangeschosse
2. Der Uranoxydstaub
3. Gesundheitsschäden
4. Manipulation und Bedrohung v. Forschern
5. Uranmunition in Dtl.
6. Notwendige Maßnahmen
 
 
  Beiträge zur kritischen Friedensforschung
Alternative Antiterror-Strategien
Dilemma der Sanktionen gegen den Irak

Wehrpflicht am Ende
Geschichte der BRD-Friedensbewegung
 

1. Die Urangeschosse

Zusammensetzung, „Beliebtheit“, Wirkung, Hersteller, Haupteinsatzgebiete

Bitte beachten Sie, dass in der Web-Version die Hochziffern der Anmerkungen / Quellangaben nicht angezeigt werden. Für korrekte Hochziffern und Quellenangaben laden Sie sich die komplette Dokumentation kostenlos herunter.

 

Was ist abgereichertes Uran und wie wird es in Waffen verwendet?

Quelle: ICBUW, Internationale Koalition für ein Verbot von Atomwaffen

Abgereichertes Uran (depleted uranium, DU) ist Atommüll. Uran tritt naturgemäß in Form von drei verschiedenen Isotopen auf, U 234, U 235 und U 238. Isotope sind Atome desselben Elements, die dieselbe Anzahl an Protonen haben, aber sich in der Anzahl der Neutronen unterscheiden. Das bedeutet, dass sie chemisch gesehen gleich reagieren, aber wegen der unterschiedlichen Isotope unterschiedliche Mengen und Arten von Strahlung freisetzen.

Die radioaktiven Eigenschaften von DU, das hauptsächlich aus Uran 238 besteht, unterscheiden sich von denen des Uran 235. Anders als Uran 238 ist Uran 235 spaltbar. Das heißt, es ist so instabil, dass man durch Beschuss von Uran 235 mit Neutronen eine Serie von atomaren Reaktionen erzeugen kann, die enorme Mengen an Energie freisetzt. Das ist die Grundlage der Nutzung der Atomkraft in Atombomben. Vor seiner Verwendung muss U 235 aber angereichert werden, da es nur einen kleinen Anteil des natürlich vorkommenden Urans – um die 0,7% – ausmacht. U 238 macht mehr als 99% des natürlichen Urans aus und ist weniger radioaktiv. Nachdem dem natürlichen Uran der größte Teil des U 235 entzogen wurde, nennt man es «abgereichertes Uran», das heißt Uran, welchem das Isotop U 235 entzogen ist. Jedes Kilogramm an angereichertem Uran, das in einem Atomreaktor eingesetzt werden kann, hinterlässt 11 Kilogramm DU.

Nicht ganz so groß - nämlich 7:1 statt 11:1 - erscheint die Masse des Atommülls im Verhältnis zum gewonnenen "angereicherten" Uran nach den Recherchen Sirko Salkas : "Ein 1.300 Megawatt Atomreaktor zum Beispiel verbraucht pro Jahr 30 Tonnen angereicherten Urans, die aus insgesamt 240 Tonnen natürlichem Uran heraus zentrifugiert werden. Übrig bleibt ein Abfall von 210 Tonnen abgereicherten Urans, das zu 99,8 Prozent aus Uran 238 und noch zu 0,2 Prozent aus Uran 235 besteht. Ralf Cüppers von der Deutschen Friedensgesellschaft hat in seiner Broschüre „Uran-Geschosse“ vorgerechnet, dass abgereichertes Uran nur unwesentlich weniger radioaktiv ist als natürliches Uran und nur unwesentlich mehr radioaktiv als reines Uran 238. Anstatt nun aber den radioaktiven Sondermüll entsprechend zu entsorgen, wird er in Amerika der US-amerikanischen Rüstungsindustrie kostenlos zur Verfügung gestellt, wodurch doppelt profitiert wird.“

 

Die „Beliebtheit“ von Uranmunition

Abgereichertes Uran selbst ist ein chemisch hochgiftiges und radioaktives Material, welches auf Grund seiner hohen Dichte in panzerbrechender Munition eingesetzt wird. Es ist 1,7mal dichter als Blei, Das gibt den Urangeschossen eine erhöhte Reichweite und Durchschlagskraft. Sie gehören zu einer Kategorie von Waffen mit dem Namen Wuchtgeschosse (kinetic energy penetrators). Den Teil der Waffe, der aus Uran besteht, nennt man den Penetrator: Das ist ein langer Pfeil, der in den größten Ausführungen mehr als vier Kilogramm wiegt (vgl. Abb. Titelseite). Es ist also weder nur eine Spitze noch nur eine Außenhülle. Das Geschoss ist gewöhnlich eine Legierung aus Uran und einer kleinen Menge eines anderen Metalls wie Titan oder Molybdän. Diese verleihen ihm zusätzliche Festigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Korrosion. (Quelle: ICBUW, a. a. O., vgl. Fn. 2).

 

Die Biologin und Krebsexpertin Rosalie Bertell stellt dazu fest: „Bei dem Aufschlag auf ein hartes Ziel entzündet sich Uran. Die Temperatur des entstehenden Metallrauches durch DU liegt zwischen 3000° und 6000 ° C.( im Gegensatz zu einer im Irak durchschnittlichen Umgebungstemperatur von 22° bis 45 ° C oder 575 ° C Flammentemperatur durch TNT in anderen Kriegen). Bei dieser hohen Temperatur nimmt das Uranoxid Keramikeigenschaften an, und es wird unlöslich in Körperflüssigkeiten. Aus diesem Grund wird das einmal eingeatmete Uranoxid zur chronischen Quelle einer Uranschwermetall- und einer radioaktiven Kontaktstrahlungsvergiftung im Körper. […] Die Nanopartikel aus Uranoxid, die in dem Metallrauch entstehen, können eingeatmet die Blut-Luft-Schranke überwinden, in Körperzellen eindringen und eine maximale Strahlendosis an das Gewebe abgeben (Kontaktdosis durch einen Partikel mit maximaler Oberfläche im Verhältnis zum Volumen, mit wenig Selbstschutz), und so werden freie Radikale und oxidativer Stress in den Zellen erzeugt.“

 

Hersteller

Zwei US-Unternehmen stellen großkalibrige Panzergeschosse aus abgereichertem Uran her: Alliant Techsystems (120 mm-Granaten) und die früheren Primex Technologies, jetzt General Dynamics Ordnance and Tactical Systems (105 mm- und 120 mm-Granaten). Drei weitere Unternehmen – in Frankreich, der ehemaligen Sowjetunion und Pakistan – stellen ebenfalls großkalibrige Panzergeschosse her. Alliant Techsystems, der größte Hersteller von Munition in den USA, produziert auch kleinkalibrige Geschosse (25 mm, 30 mm) für Geschütze in amerikanischen Flugzeugen und Kampffahrzeugen. Die Firma BAE Systems mit Sitz in Großbritannien fertigte bis 2003 120 mm-Panzergranaten für die britischen Streitkräfte an. Sie stellten die Produktion aus «Umweltgründen» ein. Es besteht der Verdacht, dass die israelische Militärindustrie Uran-Panzergranaten für die israelische Armee produziert haben könnte.

Neben der Verwendung für panzerbrechende Geschosse wird abgereichertes Uran auch als Panzerung in amerikanischen M1A1- und M1A2-Kampfpanzern eingesetzt und in geringen Mengen auch in einigen Arten von Landminen (M86 PDM und ADAM); beide Arten enthalten 0,101 Gramm abgereichertes Uran. 432 ADAM- Antipersonenlandminen wurden auf den kuwaitischen Schlachtfeldern während des Golf-Krieges 1991 eingesetzt. Sowohl die M86PDM als auch die ADAM-Minen sind in US-amerikanischen Lagern vorhanden. (Quelle: ICBUW, a. a. O., vgl. Fn. 2)

 

Wo wurde Uranmunition eingesetzt und wer setzt sie ein?

ngesichts der Befürchtungen um die Folgekosten und die Gesundheit der Bevölkerung haben Regierungen anfangs oft den Einsatz von Uranmunition abgestritten. Es ist heute klar, dass Uranmunition von den USA und Großbritannien in großem Umfang im Golf-Krieg 1991 eingesetzt wurde, dann in Bosnien, Serbien und im Kosovo, und erneut durch die Amerikaner und die Briten im Irak-Krieg 2003. Es besteht der Verdacht, dass die USA Uranmunition 2001 auch in Afghanistan eingesetzt haben, obgleich sowohl die Regierungen der USA als auch Großbritanniens den Einsatz von Uranmunition dort bestritten haben. Transportdokumente, die durchgesickert sind, legen allerdings nahe, dass die US-Streitkräfte in Afghanistan Uranwaffen hatten, aber es ist unklar, ob diese zum Einsatz kamen.   (Vgl. Kapitel 3: Asaf Durakovic „Radioaktive Verseuchung der Bevölkerung Afghanistans“).

Es sind mindestens 18 Länder, von denen angenommen wird, dass sie in ihren Arsenalen Waffensysteme mit Uran haben. Dazu zählen: Großbritannien, die USA, Frankreich, Russland, Griechenland, Türkei, Israel, Saudi- Arabien, Bahrain, Ägypten, Kuwait, Pakistan, Thailand, China, Indien und Taiwan. Vielen von ihnen wurde die Uranmunition von den USA verkauft, während man von anderen (dazu zählen Frankreich, Russland, Pakistan und Indien) annimmt, dass sie sie unabhängig entwickelt haben. (Quelle: ICBUW, a. a. O., vgl. Fn. 2)

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