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  Krieg mit Uranmunition
Unsere neuste 50-seitige Dokumentation in 6 Kapiteln für Sie online!
  1. Die Urangeschosse
2. Der Uranoxydstaub
3. Gesundheitsschäden
4. Manipulation und Bedrohung v. Forschern
5. Uranmunition in Dtl.
6. Notwendige Maßnahmen
 
 
  Beiträge zur kritischen Friedensforschung
Alternative Antiterror-Strategien
Dilemma der Sanktionen gegen den Irak

Wehrpflicht am Ende
Geschichte der BRD-Friedensbewegung
 

2. Uranoxydstaub – schleichender Massenmord durch Uranwaffen

Bitte beachten Sie, dass in der Web-Version die Hochziffern der Anmerkungen / Quellangaben nicht angezeigt werden. Für korrekte Hochziffern und Quellenangaben laden Sie sich die komplette Dokumentation kostenlos herunter.

 

Warum ist Uranoxydstaub ein Massenmord-Gift ?

Zu dem Uranoxidstaub, der entsteht, wenn die Uranmunition verbrennt, existiert nichts Vergleichbares in der Natur oder in der Geschichte. Dieser hochgiftige und radioaktive Staub besteht aus zwei Oxiden: Das eine ist unlöslich, das andere schwerlöslich. Die Streuung der Partikelgrößen beinhaltet Partikel im Submikronbereich, die leicht eingeatmet und in den Lungen zurückbehalten werden. Über die Lungen werden die Uranverbindungen aufgenommen und in den Lymphknoten, den Knochen, dem Gehirn und den Hoden abgelagert. Feste Ziele, die von Urangeschossen getroffen wurden, sind von diesem Staub umgeben; Untersuchungen beweisen, dass er viele Kilometer weitergetragen wird, wenn er wieder aufgewirbelt wird, was in einem trockenen Klima wahrscheinlich ist (vgl. dazu Kapitel 3: Chris Busky „Uranstaub aus dem Irak weht bis nach England“).
Der Staub wird dann gleichermaßen von Zivilpersonen und Militär eingeatmet oder über die Nahrung aufgenommen. Man geht davon aus, dass die Uranmunition die Ursache für einen massiven Anstieg der Anzahl an Neuerkrankungen mit Karzinomen – wie Brustkrebs oder Lymphomen – in Gebieten des Irak nach 1991 und 2003 ist. Die Uranbelastung steht auch in Verbindung mit einem Anstieg an Geburtsfehlern in Gegenden, die an die Schlachtfelder des Golf-Kriegs angrenzen.
Bei Aufschlägen auf weichem Untergrund – typisch für Luftangriffe, bei denen die meisten Geschosse ihre Ziele verfehlen – bleiben die Geschosse teilweise intakt. Auf dem Balkan wurden mehr als 31 000 30 mm- Geschosse abgefeuert; die UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) berichtete, dass diese rostenden Geschosse voraussichtlich das Grundwasser und die Trinkwasservorräte kontaminieren werden und beseitigt werden müssen.

Während wir eine ungefähre Vorstellung davon haben, wieviel Uranmunition auf dem Balkan (14 Tonnen) und im Golf-Krieg 1991 (etwa 320 Tonnen) eingesetzt wurde, verfügen wir über wenige Daten, was das Ausmaß ihres Einsatzes in der Folge der Invasion des Iraks in 2003 betrifft. Klar ist, dass weitaus mehr in städtischen Gebieten eingesetzt wurde, als Resultat einer vermehrt asymmetrischen Kriegsführung und einer zunehmend ungehemmten Einstellung in Bezug auf den Einsatz von Uranwaffen. Die USA haben die Herausgabe von Daten über die Einsatzorte ihrer Uranwaffen an die UNEP durchweg verweigert, und die instabile Lage nach dem offiziellen Kriegsende hat eine Beurteilung des wahren Ausmaßes der Kontamination nahezu unmöglich gemacht. (Quelle: ICBUW, a. a. O., vgl. Fn. 2)

 

Gesundheitsschäden durch abgereichertes Uran

Auszug aus einer wissenschaftlichen Arbeit

Man kann die durch Uranmunition bzw. Uranstaub verursachten Gesundheitsschäden nach folgenden drei Aspekten klassifizieren: Der direkte Hautkontakt mit abgereichertem Uran verursacht Erkrankungen an der Hautoberfläche (I). Über Nahrung und Atmung kann feiner Uranstaub vom Körper aufgenommen werden. Uran ist wie alle Schwermetalle hochgiftig, deshalb betrifft der zweite Aspekt die chemisch-toxischen Wirkungen von Uran (II). Nachhaltig schädigend und hoch wahrscheinlich ist, drittens, eine allmählich einsetzende chronische Uranvergiftung, hervorgerufen durch radiotoxische Wirkungen (III).
Im Golfkrieg 1991 wurden erstmalig Uran-Geschosse eingesetzt, mindestens 350 Tonnen. Nur ein Bruchteil der Granaten und Projektile, abgefeuert im wüstenartigen Grenzgebiet zu Kuwait, kann wieder aufgefunden werden. Der deutsche Mediziner Professor Siegwart-Horst Günther, der im Irak vor allem kranke Kinder behandelte, berichtet von ausgehungerten, verschmutzten Kindern, die mit Uran-Geschossen spielten, welche angemalt waren als Puppen.
„Nach inzwischen vorgenommenen Untersuchungen beträgt die Dosisleistung des von mir aufgefundenen Geschosses an der Oberfläche 11 mikroSv pro Stunde. Die erträgliche Jahresdosis wird mit 300 mirkoSv angegeben. 300 : 11 = 27,2 Stunden; die Jahresdosis von einem Geschoss wird demnach in reichlich einem Tag erreicht.“

Zu (I):
Beim direkten Hautkontakt mit abgereichertem Uran entstehen schlecht heilende Wunden mit schmerzlosen Geschwüren, die an der Hautoberfläche Zellen zerstören, auch die schmerzempfindlichen und -leitenden Sinnes- und Nervenzellen.
Zu (II):
Uranoxidstaub kann vom menschlichen und tierischen Organismus sowohl über die Nahrung aufgenommen werden als auch über die Atmungsorgane. Auch hier entscheidet die Menge, Dauer und Häufigkeit der aufgenommenen Uranpartikel über die Schwere der Gesundheitsschäden. Während verzehrte Uranpartikel zu 99,5 Prozent über den Darm als Exkremente wieder ausgeschieden werden, gelangen eingeatmete Staubkörner von der Lunge in die Blutbahn. Dort kann sich ein kleinerer Teil der Uranpartikel auflösen und kurzfristig verschiedene Organe vergiften, vergleichbar mit einer Schwermetallvergiftung – allerdings ist es in weitaus geringeren Dosen hochgefährlich. Die Toxizität der Oxide von schwerem metallischem Uran ist vergleichbar mit der Giftigkeit von Arsenverbindungen. Vergiftet und zerstört werden vor allem die Zellen von Nieren und Leber, was Funktionsstörungen verursachen kann. Eine sehr hohe Anfangsdosis führt binnen weniger Tage durch den Ausfall lebensnotwendiger Organe zum Tod.

„Die geschädigte Leber ist nicht mehr in der Lage, die Eiweißsynthese und den notwendigen kolloidosmotischen Druck aufrechtzuerhalten, so tritt Wasser in den Bauchraum aus. Die geschädigten Nieren sind nicht in der Lage, das Wasser auszuscheiden.“

Zu (III):
Der in den Körperflüssigkeiten nichtlösliche Teil des Uranoxids lagert sich allmählich im Skelett ein, von wo eine schwachradioaktive Strahlung ausgeht. Uran 238 ist ein Alpha-Strahler. Das bedeutet, dass die Strahlung zwar von sehr kurzer Reichweite ist, aber um das zwanzigfache biologisch schädlicher als die gleiche Menge an Beta- oder Gammastrahlen. Besonders gefährdet ist folglich das Knochenmark. Wird Knochenmark über einen längeren Zeitraum radioaktiv bestrahlt, kann der Patient unter Blutarmut und Immunschwäche leiden, was sich in der Bildung von bösartigen Tumoren niederschlägt, insbesondere Leukämie, oder in AIDS-ähnlichen Defekten des Immunsystems mit vergleichbaren Konsequenzen.
In 1990 warnte die britischen Atomenergiebehörde ihre Regierung in einem Bericht über die Folgen eines Einsatzes von Uranmunition dahingehend, „dass, wenn im Falle eines Krieges 50 Tonnen der Substanz in der Golfregion verbleiben würden, dies zu schätzungsweise 50.000 zusätzlichen Todesfällen durch Krebs innerhalb eines Jahrzehnts führen würde“.

Der deutsche Professor Siegwart-Horst Günther – dessen Namen die Krankheit trägt, die aus den beschriebenen Funktionsstörrungen von Nieren und Leber hervorgeht, der Morbus Günther – ist bei seinen Untersuchungsergebnissen im Irak auf dieselben Symptome gestoßen, die bei amerikanischen und britischen Veteranen des Golfskriegs nebst deren Familien später als das „Golfskriegssyndrom“ viel publiziert und diskutiert worden sind. Bereits bei Kleinkindern hat Günther den „Zusammenbruch des Immunsystems mit stark ansteigenden Infektionen“ diagnostiziert, ferner ausgedehnte Herpes- oder Zosterbildungen, diverse Krebs- sowie genetisch bedingte Missbildungen. Bei schwangeren Frauen wurde eine Vielzahl von Aborten oder Frühgeburten registriert.

Im Golfkrieg 1991 waren 750.000 amerikanische und britische Soldaten eingesetzt. Mittlerweile (im Jahre 2002, vgl. Fn. 4 ) sind zirka 250.000 Veteranen am Golfkriegssyndrom erkrankt, etwa 10.000 von ihnen sind verstorben. Zwischen Uran-Exposition und dem Ausbruch einer Krebserkrankung lagen im Schnitt fünf Jahre.

Im Irak werden 250.000 Männer, Frauen und Kinder mit derartigen Symptomen angegeben, deren Mortalität hoch ist ... Eine Studie aus dem Jahre 1993 von drei amerikanischen Wissenschaftlern soll ergeben haben, dass etwa 50.000 irakische Kinder bereits in den ersten 8 Monaten nach dem Golfkrieg den Nebenwirkungen der D.U.-Geschosse erlegen sind.“

Heimtückisch sind latente radiologische Langzeitwirkungen von Uranvergiftungen auch dann, wenn die Strahlenexposition nur kurzzeitig, aber intensiv stattgefunden hat. Insofern sind neben den Kriegsparteien und den Zivilisten auch Journalisten betroffen oder etwa Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Und ein Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht, denn die schädlichen Langzeitwirkungen der Bombardierungen sind überhaupt nicht absehbar, Schilddrüsenkrebs beispielsweise kann 10 bis 40 Jahre nach der Kontamination auftreten, Erbgutschäden wie Missbildungen noch nach drei, vier Generationen. Und die Auswirkungen des jüngsten Golfkrieges sind in ihrer Grausamkeit ohnehin jenseits jeder Berechenbarkeit.

ICBUW liefert dazu weitere Einzelheiten:

I. Die Radioaktivität; Chromosomenschäden; Krebsschäden

Die wichtigste Strahlengefährdung durch Uran 238 ist seine Alpha-Strahlung. Wenn strahlende Partikel eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen werden, ist die Alpha-Strahlung die schädlichste Form ionisierender Strahlung, die es überhaupt gibt. Da Uran 238 aber in Thorium und Protactinium zerfällt und bei deren Zerfall sowohl Beta- als auch Gamma-Strahlung freigesetzt werden, wird die Strahlenbelastung durch diese weiter erhöht. Darum müssen die Uranpartikel als eine dynamische Mischung radioaktiver Isotope betrachtet werden.

Innerhalb des menschlichen Körpers ist die Alpha-Strahlung äußerst zerstörerisch. Man schätzt, dass die Chromosomenschäden durch Alpha-Strahlen 100mal größer sind, als diejenigen, welche von der entsprechenden Menge anderer Strahlungsarten verursacht werden. Die schweren, stark geladenen Partikel können Löcher in die DNA reißen und einen Strom freier Radikaler nach sich ziehen, die die fein aufeinander abgestimmten zellulären Prozesse massiv stören oder unterbrechen. An einem einzigen Tag setzt ein Mikrogramm (ein Millionstel eines Gramms!) abgereichertes Uran nahezu 1000 Alpha-Partikel frei. Jedes Partikel hat eine Energie von mehr als 4 Millionen Elektronenvolt. Diese wirken direkt auf das Organ oder Gewebe, in dem sich das Uranteilchen eingelagert hat. Es braucht nur 6 bis 10 Elektronenvolt, um einen DNA- Strang in einer Zelle zu zerbrechen, und der Wirkungsbereich einer Strahlungsquelle hat einen Radius von 7 bis 20 Zellen.

Neue Erkenntnisse über Wirkungen von internen Strahlungsquellen verdeutlichen die Gesundheitsrisiken, wenn ein Organismus innerer Alpha-Strahlung ausgesetzt wird. Dazu gehört der «Bystander»-Effekt, das heißt, dass auch Zellen, die an diejenigen angrenzen, die von den Alpha-Partikeln getroffen wurden, Zeichen von Strahlenschäden aufweisen. Auch wird eine erhöhte Instabilität des Erbguts sichtbar, insofern die Zellnachkommen von strahlengeschädigten Zellen – nicht nur bei hohen Strahlendosen, sondern bei jedem Dosisniveau – ihrerseits größere Mutationsraten aufweisen: ein Vorbote für späteres Krebswachstum. Ionisierende Strahlung ist beim Menschen ein krebsauslösender Faktor unabhängig von der Höhe der Dosis. Es gibt keine Schwellenwertdosis, und jedes einzelne Alpha-Teilchen kann einen irreparablen genetischen Schaden hervorrufen.

II.Die chemische Giftigkeit (Nieren, Nerven u. a.)

Im Jahre 1940 begann die Erforschung der chemischen Toxizität von Uran. Seither hat sich herausgestellt, dass – ebenso wie bei vielen anderen Schwermetallen, z. B. Blei, Chrom, Nickel und Quecksilber – gerade auch durch den Kontakt mit Uran Gesundheitsschäden hervorgerufen werden können. Während viele Studien zunächst nur die Möglichkeit von Nierenschäden untersucht haben, haben seit 1991 – ausgelöst durch die Sorgen wegen der Uranmunition – Dutzende von Beiträgen andere weit beunruhigendere Gesundheitsschäden aufgezeigt, die durch die Toxizität der Uranmunition verursacht werden können. Wiederholte Studien an Zellen und Tieren haben den Nachweis erbracht, dass Uran ein Nierengift, ein Nervengift und ein Immungift ist sowie Mutationen, Krebs und Missbildungen beim werdenden Kind hervorrufen kann. Wenn man den Uranstaub, der aus der explosionsartigen Verbrennung der Munition entsteht, mit dem Uran vergleicht, wie es in der Natur vorkommt, dann ist der Uranstaub eine konzentrierte Form von Uran, die sehr viel leichter vom Organismus aufgenommen wird als natürlich vorkommendes Uran. Bei jüngsten Studien mit Hamstern konnte gezeigt werden, dass sich Uran an die DNA-Stränge bindet, wo es durch die Erzeugung freier Radikale oxidative Schäden verursacht, und bei Studien mit Ratten konnte gezeigt werden, dass es die weißen Blutkörperchen irreparabel schädigt und die Genexpression (Proteinsynthese) verändert.
Solche und weitere Befunde legen nahe, dass das nach dem Einsatz von Uranwaffen zurückbleibende Uran nicht nur hochgiftig ist, sondern dass darüber hinaus seine Giftigkeit und seine Radioaktivität zusammenwirken und synergetische Effekte erzeugen können, das heißt, dass sich die Wirkungen gegenseitig verstärken und auf diese Weise die Schäden in den Zellstrukturen und bei den Zellmechanismen vergrößern – was schließlich in Tumoren oder einer ganzen Reihe anderer, den ganzen Körper betreffenden Krankheitssymptome zum Ausdruck kommt. (Quelle: ICBUW, a. a. O.; vgl. Fn. 2)



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