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  Krieg mit Uranmunition
Unsere neuste 50-seitige Dokumentation in 6 Kapiteln für Sie online!
  1. Die Urangeschosse
2. Der Uranoxydstaub
3. Gesundheitsschäden
4. Manipulation und Bedrohung v. Forschern
5. Uranmunition in Dtl.
6. Notwendige Maßnahmen
 
 
  Beiträge zur kritischen Friedensforschung
Alternative Antiterror-Strategien
Dilemma der Sanktionen gegen den Irak

Wehrpflicht am Ende
Geschichte der BRD-Friedensbewegung
 

5. Uranmunition in Deutschland

Informationen? – nur scheibchenweise

Von Kristian Zitzlaff

Bitte beachten Sie, dass in der Web-Version die Hochziffern der Anmerkungen / Quellangaben nicht angezeigt werden. Für korrekte Hochziffern und Quellenangaben laden Sie sich die komplette Dokumentation kostenlos herunter.

Die Informationen, die innerhalb von zwei Wochen (Anfang des Jahres 2001, B.R.F.V.) zumindest ansatzweise an die Öffentlichkeit gelangten, haben es in sich: entgegen allen bisherigen Behauptungen haben die US-Streitkräfte Uranmunition in Deutschland nicht nur gelagert, sondern auch verschossen, und in mindestens sechs Fällen sind mit dieser Munition bestückte Panzer ausgebrannt. Und vorbei am Parlament hat auch die Bundeswehr seit Anfang der 70er Jahre kontinuierlich Forschungen und Versuche mit Uranmunition durchführen lassen und im Geheimen Pläne zur Produktion dieser heimtückischen Munition entwickelt. Es waren die Medien, die immer neue „Skandale” offenlegten, während das BMVg sich „widerwillig die Informationen (...) aus der Nase ziehen” ließ. Im folgenden werden die bisherigen Enthüllungen zusammengetragen, die nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Denn weiterhin gibt es mehr offene Fragen und Widersprüche als eindeutige Antworten.

„Die Bundesregierung bestätigt, dass die Bundeswehr keine DU-Munition entwickelt, besitzt oder zu Übungszwecken einsetzt und dass die Entwicklung, Beschaffung oder Verwendung solcher Munition auch für die Zukunft auszuschließen ist.” So erklärte das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) am 12. Juni 1995, damals noch unter Minister Volker Rühe, bezugnehmend auf schriftliche Fragen des SPD-Abgeordneten Georg Pfannenstein. Weiter heißt es dort, dass „zu keiner Zeit die Absicht bestand oder besteht, DU-Munition in der Bundeswehr zu verwenden”. „Nach Erkenntnissen der Bundesregierung haben die in Deutschland stationierten US-Streitkräfte DU-Munition im Bestand. Ein Verschuss zu Übungszwecken ist in Deutschland mangels geeigneter Übungseinrichtungen nicht möglich und daher untersagt“ .

Am 9. Oktober 1997 erklärte das Auswärtige Amt erneut in Antwort auf schriftliche Fragen des obigen SPD-Abgeordneten: „Die Bundeswehr verfügt nicht über DU-Munition. Die Verbündeten verwenden keine DU-Munition für Schießübungen in Deutschland. Demnach ist ein Risiko durch einen versehentlichen Verschuss von DU-Munition auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nicht gegeben.” Soweit die Theorie.

 

Verseuchungen durch US-Streitkräfte

Noch am 9. Januar 2001 bestätigten auch die US-Streitkräfte, DU-Munition zwar in Deutschland zu lagern, diese aber hier nicht zu verwenden. Wenig überzeugend fand das hingegen u.a. der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz: „Wer über diese Munition verfügt, der wird sie natürlich auch zu Übungszwecken heranziehen.”  

In der Tat gab das Hauptquartier der US-Landstreitkräfte in Europa (Heidelberg) wenig später Fälle zu, bei denen DU Munition, angeblich aus Versehen, auf Truppenübungsplätzen in Deutschland verschossen bzw. durch einen Unfall verbrannt wurde. 1987 wurde demnach in Grafenwöhr (Oberpfalz/
Bayern) ”irrtümlich” Uranmunition verschossen, 1988 sei ein mit DU-Munition beladener Panzer ausgebrannt.

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping berichtete ebenfalls am 10. Januar 2001 von einem weiteren Vorfall 1985 in Altenwalde bei Cuxhaven (Niedersachsen) – interessanterweise fand sich in den späteren Ausführungen nie wieder ein Hinweis auf diesen Vorfall. Wiederum einige Tage später war dann von zwei Unfällen im September 1988 die Rede, bei denen in den Ortschaften Gollhofen (Mittelfranken, zwischen Rothenburg und Würzburg) und Oberaltertheim (Unterfranken, zwischen Würzburg und Tauberbischhofsheim) zwei mit DU-Munition bestückte Panzer der
US-Streitkräfte bei einem Manöver ausbrannten.

Am 19. Januar informierte Scharping schließlich den Bundestag von nunmehr neun Vorfällen zwischen 1981 und 1990, bei denen in drei Fällen DU-Munition von US-Streitkräften ”irrtümlich” verschossen worden sei und in sechs Fällen mit DU-Munition bestückte US-Panzer ausgebrannt seien. Die Liste stammte aus dem Hauptquartier der US Landstreitkräfte in Europa. Genannt wurden folgende Vorfälle: 1981 in Fulda (Hessen), 1982 in Lampertheim (Hessen, nördlich von Mannheim), 1985 in Garlstedt (Niedersachsen, nördlich von Bremen), 1985 in Schweinfurt (Unterfranken), 1986 in Grafenwöhr, 1988 in Grafenwöhr, Gollhofen und Oberaltertheim sowie 1990 in Wildflecken (Unterfranken, südöstlich von Fulda).

Nach Angaben des „Spiegel” lag eine Liste dieser Vorfälle dem BMVg bereits seit August 1996 vor! Dass das BMVg auch schon in den 80er Jahren über die Ereignisse informiert war, legt eine Äußerung des damaligen Leiters des Planungsstabes des Ministeriums, Hans Rühle, nahe, der Anfang Februar 2001 gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung” erklärte, damals „alles getan” zu haben, um Informationen über Uranmunition der US-Streitkräfte in Deutschland „zu unterdrücken”. Die Informierung der Öffentlichkeit „über tausend strahlende US-Panzer auf deutschen Straßen” hätte eine „politisch-psychologisch hoch gefährliche Situation” heraufbeschworen.

Wenn auch mittlerweile zumindest neun „Einzelfälle” eingestanden worden sind, so werden auch weiterhin die genauen Umstände der Vorfälle, wie Datum, Ursache, Opfer sowie die Mengen des jeweils freigesetzten Urans geheim gehalten. Unklar bleibt auch, ob es in dem angegebenen Zeitraum (1981-1990) oder danach noch weitere Fälle gab, bei denen DU-Munition verschossen wurde, oder weitere Unfälle. Und schließlich stellt sich die Frage, wie viel Gefahr heute noch von der Uranmunition der US-Streitkräfte in Deutschland ausgeht. Zwar erklärte das US Headquarter in Heidelberg Mitte Januar, dass die US-Panzer in Deutschland heute nicht mehr mit Uranmunition bestückt seien, doch überprüfen kann dies wohl niemand.

Am 18. Januar teilte das bayrische Umweltministerium mit, die genannten Orte auf eine mögliche radioaktive Verseuchung untersuchen zu lassen.   Zumindest in Gollhofen und Grafenwöhr wurde dabei keine erhöhte Strahlung festgestellt. Dass diese Messungen wohl eher medial inszenierte Leerlaufhandlungen waren, macht der Umstand deutlich, dass bspw. in Grafenwöhr Messungen nur im Umfeld, also außerhalb des Militärareals vorgenommen wurden; für das Gelände selbst haben die US-Streitkräfte bislang keine Genehmigung erteilt.   Auch von Untersuchungen hinsichtlich einer möglichen toxischen Verseuchung war keine Rede.

 

Weitere Verdachtsfälle

Die Enthüllungen von Januar 2001 waren nicht die einzigen - nunmehr bestätigten - Hinweise darauf, dass die strahlenden und hochgiftigen Geschosse auch in Deutschland verwendet wurden. Bereits Jahre zuvor gab ein ehemaliger US Soldat in einem Fernsehinterview an, dass auch auf den Militärbasen in Miesau (zwischen Kaiserslautern und Neunkirchen) und Baumholder bei Idar-Oberstein (beide Rheinland- Pfalz) Uranmunition getestet wurde. ...

Auch bei dem Absturz einer A-10 in Remscheid (NRW) am 8. Dezember 1988 wird vermutet, dass dabei freigesetztes DU die Absturzstelle verseuchte. Damals starben sieben Menschen, 50 wurden verletzt. In den Jahren danach erkrankten mehr als hundert Menschen aus der Nachbarschaft des Absturzortes wie auch Helfer des Technischen Hilfswerks an Hautentzündungen (Dermatitis), Nervenentzündungen und verschiedenen Arten von Krebs, ein Kind verstarb. Vermutungen, dass die A-10 Uranmunition an Bord hatte, dementiert das US-Militär jedoch beharrlich. Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums soll nun der Fall von einem unabhängigen Institut untersucht werden.

Weitere Abstürze von A-10-Bombern ereigneten sich am 17. September 1981 bei Kaiseringen (bei Albstadt, Baden- Württemberg), am 23. März 1982 bei Herford (NRW), am 28. Juli 1983 zwischen Esterwegen (Niedersachsen) und Ahaus (NRW), am 10. August 1984 bei Wiesbaden (Hessen) und am 22. November 1999 auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Spangdahlem (nordöstlich von Trier, Rheinland-Pfalz). Ob die Maschinen zum Absturzzeitpunkt DU-Munition an Bord hatten, ist unklar.

 

Uran-Altlasten auch in Ostdeutschland?

Dass nicht nur über Westdeutschland das toxische Schwert der Uranmunition hängt, sondern auch in der ehemaligen DDR die Gefahr durch DU virulent gewesen sein könnte, wird seit längerem vermutet. Wie die Zeitung „Die Welt” am 15. Januar 2001 berichtete, will sie „aus Bundeswehrkreisen” erfahren haben, dass auf dem Truppenübungsplatz Altmark (Colbitz-Letzlinger Heide, Sachsen-Anhalt) größere Reste von DU-Munition vermutet werden, die die damalige Sowjetarmee dort verschossen und nicht entsorgt haben soll.

Das BMVg dementierte diese Meldung noch am selben Tag: „Nach Aussagen ehem. NVA-Stabsoffiziere verfügte die NVA nicht über DU-Munition. Ebenso ist ein Verschuss von DU-Munition durch sowjetische Streitkräfte mit größter Wahrscheinlichkeit auszuschließen, da trotz intensiver Munitionsräumung auf dem TrÜbPl ALTMARK seit 1996 keine DU-Munition oder Teile davon gefunden wurden.” (...)

(...)Mittlerweile ist bekannt, dass sowohl die Rote Armee als auch die NVA sehr wohl Uranmunition in ihren Beständen hatten, wie Verteidigungsminister Scharping am 24. Januar bestätigte (siehe unten).

 

Gefährliche Liebschaften der Bundeswehr

Nach Angaben des Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, habe die Bundeswehr Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre auch selbst erwogen, „solche panzerbrechende DU-Munition zu beschaffen. (...) Es hat damals eine Auseinandersetzung gegeben zwischen dem Führungsstab des Heeres, zwischen den Rüstern und den Strahlenschutzverantwortlichen im BMVg. Im Ergebnis ist dieser Streit vor dem Hintergrund des Umweltrisikos zu Gunsten der Strahlenschützer ausgegangen und deswegen hat die Bundeswehr die Munition nicht beschafft.” Eine interessante Aussage, bestätigt sie doch implizit, dass man schon damals von den Gefahren wusste und sich möglicherweise auch deswegen gegen diese Munition entschied.

Scheibchenweise und sehr lückenhaft kamen dann Einzelheiten über die langjährigen DU-Ambitionen der Bundeswehr ans Tageslicht, die über die von Gertz angedeuteten Gedankenspiele auf der Hardthöhe hinausgingen. Den Anfang
machte die eidesstattliche Aussage eines ehemaligen Bundeswehr-Soldaten am 15. Januar 2001 gegenüber dem NDR, dass er 1980 auf dem Truppenübungsplatz Sennelager bei Paderborn (Nordrhein-Westfalen) während einer Schießübung etwa zehn Patronen uranhaltiger Munition mit der Bordmaschinenkanone (BMK) zu verschießen hatte, ohne jedoch über die Risiken informiert worden zu sein.

Die Bundeswehr wies die Information als falsch zurück: „In der Bundeswehr wurde und wird keine Munition aus abgereichertem Uran verwendet. Ein Verschuss solcher Munition auf dem Truppenübungsplatz Sennelager wird nach Recherchen im Führungsstab der Streitkräfte ausgeschlossen. (...) Wahrscheinlich ist aber, dass es sich dabei um eine 20 mm Treibspiegel-Munition mit einem Penetrator aus Wolfram-Schwermetall handelte.”

Kurz darauf, am 19. Januar 2001, berichtete dann die „Süddeutsche Zeitung”, dass von den Firmen Rheinmetall und Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB) in den 70er Jahren Versuche mit uranhaltiger Munition durchgeführt worden seien. Demnach habe Rheinmetall von Anfang der 70er Jahre bis 1978 im Auftrag des BMVg auf dem firmeneigenen Schießplatz in Unterlüß (Kreis Celle, Niedersachsen) verschiedene Versuche mit DU-Munition durchgeführt. Es habe „einige Beschüsse im zweistelligen Bereich” gegeben, so bestätigte Rheinmetall den Bericht der ”Süddeutschen” bereits am 18. Januar. Die Tests, die „unter freiem Himmel” stattfanden, seien „in Abstimmung mit den Behörden” und den „zuständigen Stellen des Bundes”, wie dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, erfolgt. Allein 1977 wurden dem Gewerbeaufsichtsamt 42 Abschüsse angezeigt; da die Menge des verwendeten Urans jedoch unter drei Kilogramm lag, bedurfte es keiner behördlichen Genehmigung. Im Anschluss sei die Anlage „saniert” worden. Auch MBB sei an den Versuchen in den frühen siebziger Jahren beteiligt gewesen, so die ”Süddeutsche” weiter.

Tests 1979 - 1996

Das Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen EADS (in der MBB 1990 aufging) erklärte am 19. Januar, dass auch auf dem Spreng- und Schießplatz von MBB in Schrobenhausen (Oberbayern) 17 Jahre lang, von 1979 bis 1996, DU-Munition getestet wurde. Vor Jahren schon machte eine örtliche Bürgerinitiative in Schrobenhausen darauf aufmerksam, dass in der Gegend in den 80-er Jahren besonders viele Erkrankungen aufgetreten seien. Die Genehmigungen für die Uranmunition-Tests erteilte das bayrische Landesamt für Umweltschutz für den Zeitraum von März 1979 bis April 1996; danach durften ”auf dem Firmengelände in geschlossenen Behältern Schieß- und Sprengversuche mit natürlichem oder abgereichertem Uran gemacht werden, in einem Gesamtumfang von maximal 20 Kilogramm”. Auftraggeber für die Experimente war das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz.

Aus den Mitteilungen von EADS lässt sich schließen, dass auch bereits vor März 1979 Versuche in Schrobenhausen stattgefunden haben. So erklärte der EADS-Sprecher Rainer Uhler, dass in den 70er Jahren „eine auf wenige Tage beschränkte Versuchsreihe von Rheinmetall durchgeführt” wurde. Auch nach Aussagen von MBB-Mitarbeitern, die damals an den Tests beteiligt waren, seien in Schrobenhausen in den 70er Jahren von der Firma Rheinmetall Tests mit uranhaltiger Schiffsabwehrmunition unter freiem Himmel durchgeführt worden; die Materialien seien anschließend ordnungsgemäß entsorgt worden. Unklar bleibt dabei, ob die Versuche vor März 1979 eine Genehmigung hatten und ob neben Rheinmetall auch andere Firmen Versuche durchführten. (...)

Am 24. Januar 2001 berichtete erneut die ”Süddeutsche Zeitung”, dass das BMVg am 29. Oktober 1986 (unter dem damaligen Minister Manfred Wörner/CDU) eine Machbarkeitsstudie bei dem Rüstungsunternehmen Dynamit Nobel in Auftrag gegeben hatte, in der das Unternehmen die Modalitäten (Kosten, Umweltauflagen, Zeitrahmen etc.) und mögliche Probleme für den Bau einer Fertigungsanlage für  Uranmunition untersuchen sollte. Dynamit Nobel hätte auf Dekontaminierungsprobleme und auf rechtliche Hürden (wie die damalige Atomgesetzgebung) aufmerksam gemacht, so ein Firmensprecher. (...)

Im April 1987 hätte sich das BMVg gegen den Bau einer solchen Anlage entschieden, da man fürchtete, dass die Produktion von Uranmunition „angesichts des politischen Umfelds nicht durchzusetzen” sei. Auch in diesem Falle gab sich das BMVg unwissend; die Aktenlage werde geprüft. Klar ist zumindest, dass das Parlament nie informiert wurde. Am 29. Januar 2001 berichtete nunmehr ”Der Spiegel”, dass die Bundeswehr noch in den 90er Jahren Forschungen zu Uranmunition durchführen ließ, 1991 unter Minister Gerhard Stoltenberg etwa, als ein deutsch-französisches Forschungsinstitut in Saint-Louis gemeinsam mit den USStreitkräften Studien über das ”Durchschlagverhalten” von DU-Geschossen erstellte oder 1993 unter Minister Volker Rühe, als das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik Untersuchungen zur ”Penetrator-Optimierung”, u.a. auch mittels Uran-Legierungen durchführte.

Im Strudel der Enthüllungen erklärte Verteidigungsminister Scharping am 24. Januar - entgegen aller bisherigen Aussagen -, dass die Bundeswehr rund 1.500 uranhaltige Lenkflugkörper der sowjetischen Kampfflugzeuge vom Typ MIG 29 aus den Beständen der NVA und der Westgruppe der Roten Armee übernommen hatte und dass davon ”möglicherweise” acht bis zehn dieser DU-Geschosse in den neunziger Jahren verschossen wurden; 1.000 der
Geschosse seien „entsorgt”, die restlichen 500 durch Entfernung des Urankerns umgerüstet worden. Auch darüber wurde das Parlament nicht informiert. Noch heute sind die genauen Umstände unklar, so bspw., was genau unter „Entsorgung” zu verstehen ist. Meint dies eine kontrollierte Vernichtung, eine ordnungsgemäße Endlagerung der Uranteile oder lediglich, dass der Rüstungsschrott irgendwo verbuddelt wurde?

 

Ein erstes Fazit

Das Ausmaß der bisherigen Enthüllungen macht deutlich, wie wenig das Treiben des Militärs auch in sogenannten Demokratien einer parlamentarischen Kontrolle unterliegt. Dreißig Jahre lang konnte die Bundeswehr an radioaktiver und chemotoxischer Munition experimentieren und damit Mensch und Umwelt nachhaltig gefährden, ohne dass der Verteidigungsausschuss des Parlaments oder gar die Bürger - die die Kriegsspiele der Waffennarren schließlich finanzieren müssen - informiert, geschweige denn gefragt wurden. Die Arroganz, mit der das Militär Informationen (...) zurückhält,  veranschaulicht einen grundlegenden Fehler in der Definition der Rolle des Militärs in Staat und Gesellschaft. Es widerspricht jedweder demokratischen und rechtsstaatlichen Logik, dass das Militär die Fakten schafft, um deren Offenlegung Politik und Öffentlichkeit dann betteln müssen.

Wie viel auch weiterhin verheimlicht wird ist völlig unklar. Falls die Aussagen von Angelika Beer (Grüne) im Verteidigungsausschuss am 17. Januar 2001 stimmen, dass sich das BMVg noch 1995 für einen Verzicht auf Uranmunition entschieden hat, so hieße das, dass auch noch vor kurzem für das deutsche Militär die DU-Option bestand - und vielleicht auch weiter besteht - und dass es wahrscheinlich ist, dass dann auch zumindest bis 1995 Versuche mit DU-Munition stattgefunden haben könnten. Nicht nur eine restlose Aufklärung der Vorfälle ist vonnöten, sondern eine wirkliche, d.h. unabhängige zivilgesellschaftliche Kontrolle des Militärs

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