Kriegführung mit Urangeschossen
Uranstaub – Schleichender Massenmord
Eine Dokumentation mit Kommentaren
von Brigitte Runge und Fritz Vilmar
5. erweiterte Auflage Dezember 2007
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Urangeschoß mit Ummantelung
Einleitung und Zusammenfassung
Mindestens 18 Staaten der Welt besitzen mittlerweile in ihren Militärdepots außerordentlich wirksame panzer- und bunkerbrechende Munition, die als „Nebenprodukt“ in Kriegsgebieten und weit darüber hinaus schleichenden Massenmord bewirkt durch massenhaft entstehenden radioaktiven Staub. Das einmal eingeatmete Uranoxyd wird zur chronischen Quelle einer Uranschwermetall- und einer radioaktiven Kontakt- und Strahlungsvergiftung im Körper .Die Nanopartikel aus Uranoxyd, die in dem Metallstaub entstehen, überwinden eingeatmet die Blut-Luft-Schranke, dringen in Körperzellen ein und geben eine maximale Strahlendosis an das Gewebe ab.
Wir dokumentieren im Folgenden die hohe militärische Bedeutung, die tatsächlich massenmord-ähnlichen Auswirkungen in den betroffenenen Gebieten (und weit darüber hinaus) sowie die bisherigen Versuche der Geheimhaltung oder Verharmlosung seitens der offiziell Verantwortlichen. (Quellennachweise am Schluß des Textes.)
Die Initiative zu dieser Materialsammlung und Veröffentlichung verdanken wir den bahnbrechenden Publikationen von Prof. Siegwart-Horst Günther, dessen Vortrag wir vor einiger Zeit veröffentlichten und der in mehreren tausend Sonderdrucken inzwischen in der Friedensbewegung verbreitet worden ist. Wir ergänzen seine Ausführungen durch eine Reihe von Einzelberichten, die sich zusammenfügen zu einem erschreckenden, weithin verschwiegenen Kriegsszenario. Wir nennen es schleichenden Massenmord mit Uranwaffen.
Die Bedeutung dieser Materialsammlung und Kommentierung liegt genau darin: dass hier zum ersten Mal in der friedenswissenschaftlichen Diskussion die Quantität der Berichte über den Krieg mit Uranwaffen umschlägt in eine neue bisher nicht zum vollen Bewusstsein gebrachte Qualität.
Unsere Dokumentation gliedert sich in folgende 6 Teile:
- eine genaue Beschreibung dieser neuen Uranwaffen - und
- der von ihnen ausgehenden zentralen Gefahr: der Freisetzung eines hochtoxischen radioaktiven Feinstaubes;
- wir geben Berichte von den furchtbaren Schäden, die durch diesen Uranstaub in Körpern angerichtet werden und von den Kriegsgebieten, in denen sich diese grauenvollen Szenarien eines regionalen schleichenden Massenmordes abspielen. In diesen Abschnitt gehen die zentralen Partien des Berichtes von Siegwart-Horst Günther mit ein, der als erster die Schreckensszenarien in den bekannten Kriegsgebieten persönlich erforscht und dargestellt hat.
- Wir dokumentieren die Strategien der Verheimlichung oder Verharmlosung dieser neuen Waffen. Dabei geht es auch um das Totschweigen durch Mundtot-Machen der Zeugen und kritischen Forscher. Dies ging im Falle von Siegwart–Horst Günther so weit, dass er zweimal das Ziel von Mordanschlägen geworden ist.
- Wir dokumentieren insbesondere das Verhalten der offiziellen deutschen Stellen zur Uranmunition und geben
- die Maßnahmen wieder, die zur Bekämpfung dieser Waffensysteme und ihrer Annwendung getroffen werden müssen.
Als Resümee unserer Recherchen halten wir fest:
- Die eigentliche Katastrophe der Erfindung und des Einsatzes dieser „kleinen“, unscheinbaren Nuklearwaffen der "depleted uranium"(DU)-Waffengattung ist der weitgehende Mangel ihrer angemessenen öffentlichen und offiziellen Wahrnehmung. Weder die Soldaten noch die Zivilbevölkerung in den betroffenen Bereichen bzw. Waffengattungen erhielten eine auch nur einigermaßen realistische Information über die hohe, tödliche Gefährlichkeit des radioaktiven Staubes, der durch die Explosion dieser Geschosse freigesetzt wird. (Ein später mit der Folgenabschätzung beauftragter amerkanischer Offizier berichtet, dass er als „Souvenir“ ein Erste-Hilfe-Päckchen aus einem irakischen Panzerwagen jahrelang bei sich getragen habe...)
- Die internationale Friedensbewegung hat, von wenigen Ausnahmen abgesehen, angesichts dieser tödlichen Weltbedrohung versagt: obwohl die heimtückischen kleinen Uranwaffen inzwischen seit anderthalb Jahrzehnten in den Militärdepots existieren und in Kriegen (Kosovo, wahrscheinlich Afghanistan, Kuwait, Irak, wahrscheinlich Libanon) mit verheerenden Folgen „erprobt“ wurden. Wie in unserem abschließenden Teil ausgeführt, sind Maßnahmen Ingang zu bringen und wesentlich zu intensivieren, die die Friedensbewegung in vorderster Reihe propagieren müsste, insbesondere eine Kampagne weltweiter Information auf wissenschaftlicher und allgemeinpublizistischer Ebene. Ferner die Organisation einer internationalen Forschungskampagne, die genauere Kenntnisse über die Folgen der Uranstaub-Infektion und mögliche Therapien zum Ziele haben müsste. Nicht zuletzt aber müsste die Friedensbewegung soweit wie möglich, durchaus auch „subversiv“, Informationen über die Lagerung von DU-Munition und stattfindende Manöver/Übungen mit dieser Munition veröffentlichen.
- Eine besondere, nicht zuletzt völkerrechts-gestützte Kampagne der Friedensbewegung und aller verantwortungsbewussten friedenspolitisch aktiven politischen Gruppierungen müsste auf das absolute Verbot und die Kriminalisierung dieser Waffen hinzielen.
Brigitte Runge und Fritz Vilmar
Arbeitskreis für Friedenspolitik, Berlin 2007
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